29. Oktober 2009 – Danke, Jack Wolfskin! Einer musste ja mal exemplarisch zeigen, wie man mit kleinstem Aufwand eine bestens eingeführte Marke beschädigt. Ein Platz in den Lehrbüchern für PR & Marketing ist Ihnen sicher. Dass gerade Sie das tun, „der führende Anbieter von funktioneller Outdoor-Bekleidung“ (so Ihre Selbstdarstellung), beweist, dass Sie zurecht stolz sein können auf Ihr Management: Beispielhaft daneben greifen, damit die anderen diesen Fehler nicht mehr begehen – diese Form sozialen Engagements war uns bis heute unbekannt und muss gewürdigt werden!
Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Am 17. Oktober berichten die Kollegen von werbeblogger.de, Jack Wolfskin habe zwei Abmahnschreiben verfasst. Darin fordert das Unternehmen zwei Verkäufer auf, ein paar Produkte aus ihrem Sortiment zu nehmen; die verwendeten Tatzen-Motive seien dem geschützten und allseits bekannten Wolfskin-Logo zu ähnlich. So weit, so gut – so rechtens. Das Problem an der Sache besteht darin, dass Jack Wolfskin seine Anwälte unter anderen auf zwei Frauen losließen, genauer: Auf zwei Kleinstgewerbetreibende, die unter den bereits alles sagenden Namen „Dasaba“ und „fliegenpilzle“ selbstgemachte Dinge verkaufen. Und zwar auf einer Internetplattform namens dawanda.de, die sich auf den Vertrieb solcher Produkte spezialisiert hat. Weil sie ihre Anwälte bezahlen müssten, ließen die Leute von Wolfskin die beiden Frauen zudem wissen, hätten sie gerne Kosten in der Höhe von 991 bzw. 859 Euro erstattet.
Hätte sich Jack Wolfskin auf ernstzunehmende Mitbewerber gestürzt, gar solche im (copyright-)fernen asiatischen Raum – hätte niemand ein Wort darüber verloren. Aber die beiden Damen mit ihrem Shop abzumahnen ist so, als würde Robbie Williams einen Trupp Juristen losschicken, damit die eine Amateurband zur Kasse bitten, die seinen Hit „Angels“ auf der Elektroorgel vor sich hinschrammen – und zwar in einem Bierzelt in der bayerischen Provinz. Die gut gekleideten Jungs von der Anwaltssocietät mögen das Recht auf ihrer Seite haben. Sie wirken aber in einem Laden namens dawanda.de bzw. im Bierzelt wie Aliens, die ihrem Herren einen denkbar schlechten Dienst erweisen.
Als die Story bekannt wurde, brach im Netz deshalb auch ein Sturm der Entrüstung los (und bot, ganz nebenbei, einer Reihe von notorisch besser wissenden Internetexperten die billige Chance, sich ein wenig zu profilieren). Andere Medien vervielfältigten das Getöse, während Jack Wolfskin erst mal eisern mit seiner Linie weitermachte: Auf seiner Facebook-Fan-Seite findet man bloß ein paar schlechte Produktfotos und irgendwo dazwischen den Eintrag eines gewissen Daniel Veuillet: „Hey Jungs, gar nicht gut, was da gerade läuft“ – darunter steht der Link zu dem Blogeintrag, der die Wolfskin-Aktion hochgekocht hat. Und die Leute aus Idstein im Taunus? Glänzen durch Schweigen. Im Juli hieß es bloß: „1000 FANS !! THANKS TO ALL !! :o)“. Daran hat sich bis heute nichts geändert (26.10., 13:10 Uhr).
Schließlich reagierten die Wölfe doch: erst stellten sie sich stur und bestanden darauf, weiterhin „auch verhältnismäßig kleine Anbieter mit einer Abmahnung und entsprechender Kostenerstattung zu kontaktieren“, um am selben Tag klein beizugeben: Man werde die Abmahnungen zurücknehmen.
Was man aus alledem gelernt habe? Das formuliert Jack Wolfskin für die Nachwelt so: In Zukunft werde man darauf verzichten, gleich einen Trupp Anwälte loszuschicken und stattdessen erst mal selbst Kontakt aufnehmen!
Womit, wenn ich mich nicht ganz täusche, sämtliche PR-Handbücher umgeschrieben werden müssen. Aber das hatte ich Ihnen von Anfang an prophezeit.

Hank R. Wir halten es für große Kunst – unser tägliches Treiben in den PR-Agenturen und Pressestellen des Landes. Doch wie kommt unsere Arbeit draußen an? Eine Edelfeder rechnet mit dem Wahnsinn des Medien- und PR-Geschäfts ab. Alle 14 Tage im PR-Professional
|