
26. Juni 2008 – Standort-Marketing ist eine Kunst, die unsere alpseitigen Nachbarn leider gar nicht beherrschen. Wenn sogar wir verklemmten Deutschen 2006 ein Sommermärchen hinbekommen, dann sollte man den perfekten Schweizern und den notorisch lustigen Österreichern ja locker eine Steigerung zutrauen. Kann doch nicht so schwer sein, einfach mal einen Monat lang sympathisch zu sein. War ja auch teuer genug, diese Europameisterschaft. Dafür gibt´s immerhin Aufmerksamkeit: 400 Millionen potentielle Urlauber und Investoren gucken praktisch täglich in die Zwergstaaten. Leider haben die Schluchtenbewohner die Reklamegelegenheit mustergültig vergeigt. Woche 1: Berichte aus Orten, die völlig zu Recht Klagenfurt heißen, über leere Fanmeilen, teures Bier, stinkige Wirte und gelangweilte Prostituierte. Marketingbotschaft: Echte Stimmungskanonen, diese Bergvölker. Was denkt der Tourist? Urlaub machen wir wohl doch besser am Ballermann. Woche 2: kollektives und völlig berechtigtes Ausscheiden der gastgebenden Mannschaften. Marketing-Botschaft: Hier zerreißt sich keiner für den Erfolg, dafür greinen wir lieber lauter. Was denkt der Investor? Vielleicht doch besser nach Ungarn. Woche 3 und 4: Die EM hat sich komplett von den Veranstaltungsorten entkoppelt, die Stimmung steigt trotzdem, weil die Fans der verbliebenen Teams gute Laune importieren. Marketing-Botschaft: Wir können nichts außer Bierbecherwegräumen und durchkärchern. Was denkt Europa? Völlig wurscht, wo der Kick stattfindet: Hauptsache Finale. Außerdem ist Urlaub in EM-Ländern bestimmt viel teurer als anderswo, deswegen fahren wir nach Kroatien, an die türkische Riviera oder in einen schmucken holländischen Centerparc. Sogar da ist mehr los als in boring Basel.

Hank R. Wir halten es für große Kunst – unser tägliches Treiben in den PR-Agenturen und Pressestellen des Landes. Doch wie kommt unsere Arbeit draußen an? Eine Edelfeder rechnet mit dem Wahnsinn des Medien- und PR-Geschäfts ab. Alle 14 Tage im PR-Professional.
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