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Interne Kommunikation: Wer nicht kommunizieren kann, kann auch nicht führen

6. August 2009 – Sie ist älter als alle anderen der heute bekannten Kommunikationsdisziplinen: die Interne Kommunikation. Doch noch immer ringt sie um ein einheitliches Selbstverständnis. Die Frage der Notwendigkeit ist nicht mehr unbedingt das Thema. Es geht um die Inhalte. 348648_R_K_B_by_Peter-Kirchhoff_pixelio[1].de.jpg

 

Interne Kommunikation ist ein ökonomischer und sozialer Schlüsselfaktor für ein lebendiges und erfolgsorientiertes Unternehmen. Sie stellt ein Management-Instrument zur einer Unternehmensführung dar, die den ganzen Menschen in den Mittelpunkt rückt. Eine offene, glaubwürdige und authentische Interne Kommunikation ist deshalb ein zentraler Bestandteil einer dialogischen Unternehmenskultur.

 

Allein diese drei Sätze haben es in sich. Sie sind sozusagen das Credo der Internen Kommunikation in Deutschland. Doch wie es mit Glaubensbekenntnissen bisweilen ist, die Realität offenbart einen Widerspruch zum Anspruch. Im Klartext: Diesem Selbstverständnis der Internen Kommunikation wird der Unternehmensalltag selten gerecht – Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Führungskräfte haben oft erheblichen Nachholbedarf in der Mitarbeiterkommunikation

 

Die Ursachen sind vielschichtig. In größeren, mittleren und kleineren Unternehmen unterschiedlich. Oftmals fehlt die Kompetenz, professionell Interne Kommunikation zu betreiben. Teils mangelt es an den Freiräumen, Mitarbeiterinformation dialogorientiert zu gestalten. Zu einem nicht unerheblichen Teil zeigen Führungskräfte aber auch erschreckende Defizite im Kommunikationsverhalten gegenüber ihren Mitarbeitern. Dabei ist es doch mittlerweile eine Binsenweisheit: Wer nicht kommunizieren kann, kann auch nicht führen. Vor was wird eigentlich zurückgeschreckt? Vor der Wahrheit? Vor den Reaktionen und Gefühlen der Mitarbeiter? Angst vor dem eigenen Machtverlust?

 

Die jüngste Finanz- und damit einhergehende Wirtschaftskrise hat das Vertrauen in die Führungsqualität keineswegs gestärkt. Dabei sind Vertrauen und Verlässlichkeit – dies belegen die Analysen erfolgreicher Unternehmen – die beiden wichtigsten Faktoren für Mitarbeiterzufriedenheit und -engagement. Sie sind zugleich die Wurzeln für die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen. Motivation ist bedeutsam, aber sie funktioniert nicht, wenn beim Mitarbeiter die Identifikation zur Firma, zum Arbeitsplatz oder überhaupt zu seiner beruflichen Tätigkeit fehlt.

 

Ob Human Resources oder Unternehmenskommunikation – es ist weniger die Frage, wer im Betriebsalltag für die Interne Kommunikation zuständig ist – denn letzten Endes ist es die Unternehmensleitung. Es bleibt auch in Zukunft entscheidend, wie offen, glaubwürdig und authentisch innerbetriebliche Kommunikation stattfindet.  

 

"Handlungsanleitungen" für professionelle Interne Kommunikation

Die nachfolgenden „Handlungsanleitungen“ enthalten Bekanntes und Neues. Und doch ist es in der betrieblichen Realität immer wieder erstaunlich, wie wenig diese strategischen, unternehmerischen medialen und interdisziplinären Gedanken in die Tat umgesetzt werden.

 

Strategische/Unternehmerische Aspekte

 

  • kommuniziert und schafft Unternehmenswerte sowie -leistungen und multipliziert diese an die Beziehungsgruppen (Stakeholder) des Unternehmens.
  • macht Mitarbeiter zu Botschaftern des Unternehmens.
  • fördert die Produktivität durch das Bereitstellen notwendiger, aktueller Informationen.
  • schafft und vermittelt Vertrauen und Verlässlichkeit in punkto Unternehmensaktivität.
  • vermeidet intransparente Veränderungsprozesse (Change Management) durch eine antizipative Kommunikation.
  • wirkt zentral an der Verbesserung des Wissenstransfers auf und über alle Unternehmensebenen hinweg mit.
  • beseitigt eine Angstkultur im Unternehmen, um den Weg für ein offenes, produktives und sozial verantwortliches Miteinander zu ebnen.
  • führt Bewertungskriterien (Evaluation) ein und fort, die den Beitrag zum Unternehmenserfolg deutlich machen.

Mediale/Kommunikative Aspekte

 

  • verbreitet unternehmens-/ mitarbeiterrelevante Informationen auf der Basis von Ehrlichkeit, Offenheit, Zeitnähe und Vollständigkeit.
  • entwickelt Strategien zur zielgruppenspezifischen Mitarbeiterinformation (sowohl top-down als auch bottum-up).
  • fördert die Direktkommunikation (persönliches Gespräch mit Mitarbeitern) als authentischstes Mittel.
  • nutzt moderne Kommunikationstechnologien im Kontext mit betriebsspezifischen Informationskaskaden.
  • wirkt mit anderen Kommunikationsdisziplinen zusammen, um die gesteckten Kommunikationsziele zu erreichen.

Interdisziplinäre Aspekte

 

  • aktiviert Synergien/Maßnahmen, um Führungskräfte im Unternehmen zu einer dialogorientierten Mitarbeiterführung zu befähigen (Selbstbefähigung).
  • coacht Verantwortliche in Krisensituationen des Unternehmens.
  • treibt die nationale und internationale Integration von (insbesondere Unternehmens-) Kulturen im Sinne einer globalisierten Welt voran.

 

Fazit

Sowohl die Auseinandersetzung über diesen „Code of Identity“ der Internen Kommunikation in Deutschland als auch der wie auch immer geartete betriebsspezifische Konsens sind wichtig. Um diese Kommunikationsdisziplin seitens der Unternehmensverantwortlichen stärker zu verinnerlichen und ihre Bedeutung zu verstärken. Um den Verantwortlichen der Internen Kommunikation täglich vor Augen zu halten, was ihre eigentliche Herausforderung darstellt. Das unreflektierte Wiedergeben insbesondere von schlechten Nachrichten sowie das Herunterbeten von unverständlichen Managementformeln ist es nicht. Dies irritiert eher Mitarbeiter und beeinflusst Identifikation, Mitarbeitermotivation und -produktivität negativ. Wer Interne Kommunikation effektiv und strategisch einsetzen will, dem muss Mitarbeiterzufriedenheit mehr wert sein als Vorstandszufriedenheit. Und wer nicht glaubwürdig kommuniziert, sprich Ereignisse und Themen hinterfragt, leistet nicht nur einen Beitrag zur jetzt schon teils unübersehbaren innerbetrieblichen Informationsflut – er stellt sich selbst und damit die Interne Kommunikation in Frage. Dies kann nach 120 Jahren Interner Kommunikation in Deutschland nicht das Ziel sein.

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BLD_055-klein_k.jpgÜber die Autoren: Hermann-Josef Berg (Foto links) und Michael Kalthoff-Mahnke sind die Herausgeber des „Jahrbuches Interne Kommunikation“ und gleichzeitig die Chefredakteure des Internetportals www.news-intern.de (Nachrichten und Fakten aus der Internen Kommunikation). Sie leiten ferner das Institut für Interne Kommunikation und Informationskultur (Heidesheim bei Mainz und Dortmund).

 

© Foto: pixelio.de / P. Kirchhoff

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